Enzyme in der Kosmetik: Biomimetische High-Tech-Wirkstoffe für eine sanfte Hauterneuerung

Enzyme gehören zu den präzisesten Werkzeugen der Natur. Als biologische Katalysatoren beschleunigen sie chemische Reaktionen hochspezifisch – ohne selbst verbraucht zu werden. In der modernen Hautpflege stehen Enzyme deshalb für eine neue Generation biomimetischer Wirkstoffe: Sie greifen gezielt in natürliche Hautprozesse ein, statt sie aggressiv zu übersteuern.

Gerade im Bereich enzymatisches Peeling, sanfte Exfoliation und hautbarriereschonende Pflege gewinnen sie zunehmend an Bedeutung.

1) Was sind Enzyme

Enzyme sind meist globuläre Proteine mit hochspezifischer 3D-Struktur. Ihre Aktivität basiert auf dem Schlüssel-Schloss-Prinzip:

Ein Enzym bindet selektiv an ein bestimmtes Substrat (z. B. ein Strukturprotein oder ein Lipid) und katalysiert dessen Umwandlung.

In der Hautpflege bedeutet das:

  • keine unspezifische „Abtragung“

  • kein mechanischer Stress

  • keine breitflächige Säureeinwirkung

  • sondern gezielte Modulation biochemischer Prozesse

Diese Spezifität unterscheidet Enzyme grundlegend von mechanischen Peelings oder hochkonzentrierten chemischen Exfolianten.

2) Die 3 zentralen Wirkmechanismen enzymatischer Hautpflege

  • Biologische Exfoliation – kontrollierte Desquamation

Die oberste Hautschicht (Stratum corneum) besteht aus abgestorbenen Korneozyten, die durch Desmosomen miteinander verbunden sind.

Proteolytische Enzyme wie:

  • Papain (aus Carica papaya)

  • Bromelain (aus Ananas comosus)

können gezielt Proteinverbindungen an der Oberfläche lösen.

Dadurch wird die natürliche Abschilferung (Desquamation) unterstützt – ohne mechanisches Reiben oder stark saure pH-Werte.

Wissenschaftlicher Hintergrund

  • Lods et al. (2000) beschreiben das Potenzial proteolytischer Enzyme als milde Exfolianten im International Journal of Cosmetic Science.

  • Trevisol et al. (2022) zeigen in einer Übersicht im Journal of Cosmetic Dermatology, dass Enzympeelings besonders für empfindliche Haut geeignet sein können, da sie die Hautbarriere weniger beeinträchtigen als klassische Alpha-Hydroxysäuren (AHAs).

Im Vergleich zu AHA-Peelings wirken Enzyme primär oberflächlich und pH-unabhängiger.

  • Sebum-Modulation und Porenbild

Bestimmte Enzyme – insbesondere Lipasen – können Lipide hydrolysieren.

In kosmetischen Formulierungen werden enzymatische Komplexe eingesetzt, um:

  • überschüssigen Talg an der Oberfläche zu reduzieren

  • Verhornungsstörungen zu minimieren

  • das Hautbild optisch zu verfeinern

Die wissenschaftliche Literatur betont hier vor allem den synergistischen Ansatz: Enzyme in Kombination mit milden Säuren oder Barrierestärkern zeigen bessere Verträglichkeit als aggressive Monotherapien.

Wichtig: Kosmetische Produkte dürfen keine „Sebumproduktion regulieren“ im medizinischen Sinne beanspruchen, sondern unterstützen lediglich ein ausgeglichenes Hautbild.

  • Antioxidativer Schutz durch enzymatische Systeme

Ein weiterer spannender Bereich sind antioxidative Enzyme wie:

  • Superoxid-Dismutase (SOD)

  • Katalase

  • Glutathion-Peroxidase

Diese Enzyme neutralisieren reaktive Sauerstoffspezies (ROS), die durch:

  • UV-Strahlung

  • Umweltverschmutzung

  • oxidativen Stress

entstehen.

Eine Übersichtsarbeit von Kuo et al. (2024, MDPI Catalysts) beschreibt das wachsende Potenzial enzymatischer Antioxidantien in biomedizinischen und kosmetischen Anwendungen.

Herausforderung bleibt hier vor allem die Stabilität in topischen Formulierungen.

3) Formulierungs-Herausforderung: Stabilität & Aktivität

Enzyme sind empfindlich gegenüber:

  • Temperatur

  • pH-Wert

  • Oxidation

  • Wasseraktivität

Bereits Mojsov (2011) betonte die industrielle Schwierigkeit, mikrobiell gewonnene Enzyme stabil in Emulsionen einzubetten.

Moderne Lösungsansätze:

  • Mikroverkapselung

  • Liposomale Systeme

  • wasserfreie Pulverformulierungen

  • Zwei-Phasen-Systeme (Aktivierung erst bei Anwendung)

Diese Technologien sichern die Enzymaktivität bis zum Hautkontakt. HSM biolab findet als Technologiespezialist in der Entwicklung und Lohnherstellung enzymbasierter Kosmetik die passende Lösung für die konkrete Anwendung.

4) Vorteile enzymbasierter Hautpflege

  • Sehr sanfte Exfoliation

  • Geeignet für empfindliche, reaktive Hauttypen

  • Kein mechanischer Abrieb

  • Oft nachhaltige, pflanzliche oder mikrobielle Herkunft

  • Biomimetischer Ansatz

Gerade bei sensibler Haut, Rosazea-Neigung oder unreiner Haut werden enzymatische Peelings häufig als schonendere Alternative zu intensiven Säurebehandlungen gewählt.

Enzyme stehen exemplarisch für einen Paradigmenwechsel:

Nicht forcieren – sondern imitieren.

Statt Hautprozesse durch starke chemische Impulse zu beschleunigen, unterstützt biomimetische Kosmetik natürliche Mechanismen wie:

  • kontrollierte Desquamation

  • antioxidative Schutzsysteme

  • physiologische Hauterneuerung

Die aktuelle Forschung konzentriert sich auf:

  • Enzym-Engineering

  • verbesserte Stabilisierung

  • kombinierte Wirkstoffsysteme

Enzyme sind daher kein Trend, sondern Teil einer langfristigen Entwicklung hin zu intelligenter, hautphysiologisch orientierter Pflege.

Quellen:

  • Lods, L. M., et al. (2000). The future of enzymes in cosmetics. International Journal of Cosmetic Science.

  • Mojsov, K. (2011). Microbial enzymes in cosmetics – industrial overview.

  • Trevisol, T. C., et al. (2022). Use of proteolytic enzymes as exfoliating agents. Journal of Cosmetic Dermatology.

  • Kuo, C. H., et al. (2024). Enzymes in Biomedical, Cosmetic and Food Applications. Catalysts (MDPI).

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