Kann Sonnenschutz auf natürlicher, gesunder Weise funktionieren?

1) Warum Sonnenschutz überhaupt notwendig ist

Ultraviolette Strahlung (UV) der Sonne besteht aus UV‑B (280–315 nm) und UV‑A (315–400 nm) Wellenlängen. Beide können auf zellulärer Ebene Schäden verursachen:

  • DNA‑Schäden führen zu Mutationen und erhöhen das Risiko für Hautkrebs.

  • Oxidativer Stress beschleunigt Photoaging (Hautalterung durch Sonne).

Die International Agency for Research on Cancer (IARC) stuft UV‑Strahlung als karzinogen für den Menschen ein. Eine effektive Sonnenschutzstrategie reduziert diese Risiken signifikant.¹

2. Mechanismen des Sonnenschutzes – chemisch vs. physikalisch

Sonnenschutzmittel arbeiten über zwei prinzipielle Mechanismen:

2.1 Chemische UV‑Filter

Diese absorbieren UV‑Strahlung und wandeln sie in harmlose Wärme um. Beispiele sind Oxybenzon oder Octinoxat. Die Forschung zeigt jedoch, dass einige chemische Filter im Körper nachweisbar sind und endokrinologische Effekte haben können oder kritisch bewertet wurden.²

Ein systematischer Review von Santander Ballestín & Luesma Bartolomé (Appl. Sci. 2023) fasst zusammen, dass einige chemische Filter hormonell wirksame Eigenschaften oder andere toxikologische Profile aufweisen können.³

2.2 Physikalische (mineralische) UV‑Filter

Mineralische Filter wie Zinkoxid (ZnO) und Titaniumdioxid (TiO₂) wirken mechanisch durch Reflexion und Streuung von UV‑Licht. Sie gelten als photostabil und gelten in der Regel als gut verträglich. Ein kritischer Übersichtsartikel bestätigt die breite, photostabile UV‑Abschirmung von ZnO.⁴

3. Gesundheitliche Bedenken: Phthalate und ihr Metabolit MnHexP

Phthalate sind Weichmacher, die in vielen Kunststoffen vorkommen. Ein spezifisches Problem ist der Weichmacher Di‑n‑hexyl‑phthalat (DnHexP), der laut Umweltbehörden in der EU in Kosmetika verboten ist. Sein Metabolit Mono‑n‑hexyl‑phthalat (MnHexP) wurde jedoch in Urinproben von Kindern weit verbreitet nachgewiesen.⁵

Was sagen Behörden?

  • Das Umweltbundesamt (UBA) berichtet, dass MnHexP in einem großen Anteil deutscher Urinproben gefunden wurde; mögliche Quellen sind Verunreinigungen in Sonnencremes durch den UV‑Filter DHHB.⁶

  • Die Verbraucherschutz‑ und Umweltbehörden (LANUV, BfR) bestätigen diesen Zusammenhang, betonen aber, dass die derzeit gemessenen Konzentrationen unterhalb gesundheitlicher Besorgnisgrenzen liegen und Sonnenschutzwirkung weiterhin wichtig ist.⁷

Fazit: Die Belastung durch MnHexP scheint relativ niedrig zu sein, doch zeigt ihr Nachweis, dass Produktionsprozesse und Verunreinigungen in Produkten real existieren und kontrolliert werden müssen.

4. Natürlicher Sonnenschutz – wissenschaftlich abgesicherte Strategien

4.1 Mineralische Filter bevorzugen

Wissenschaftliche Arbeiten bestätigen, dass mineralische Filter wie Zinkoxid einen breiten Schutz gegen UV‑A/B bieten und photochemisch stabil sind.⁴ Eine aktuelle Publikation betont die Rolle solcher anorganischen Filter für langfristigen, effizienten UV‑Schutz.

Tipp: Achten Sie auf Produkte, die freie Nanopartikel vermeiden oder entsprechend beschichtet sind, um Potenziale für Bildung von ROS (reaktive Sauerstoffspezies) zu verringern.

4.2 Sonnenschutz ergänzen – Ernährung und Pflege

Mehrere Studien zeigen, dass antioxidative Nährstoffe wie Vitamin E, Vitamin C und Carotinoide oxidative Schäden durch UV fördern können, indem sie freie Radikale neutralisieren. Nahrung spielt dabei eine unterstützende Rolle, ersetzt aber keinen UV‑Filter.⁸

4.3 Physikalische Schutzmaßnahmen

Wissenschaftliche Empfehlungen schließen mechanische Barrieren ein:

  • Kleidung mit hohem UPF‑Wert

  • Kopfbedeckungen

  • Schatten in Hochsonnenzeiten (10 – 16 Uhr)

Diese Maßnahmen reduzieren UV‑Exposition ohne chemische oder physikalische Filter.

5. Kritische Bewertung und Fazit

Risiken vs. Nutzen

Faktor Nutzen Risiko
UV‑Strahlung Vitamin‑D‑Synthese DNA‑Schäden, Hautkrebs
Sonnenschutz (mit Filtern) Senkt Hautkrebsrisiko Seltene/geringe chemische Belastungen
Phthalate in Produkten Endokrine Effekte, Umweltbelastung

Trotz der aktuellen Diskussion um Verunreinigungen in Sonnenschutzcremes und chemische Filter bleibt der wissenschaftliche Konsens klar: UV‑Schutz senkt erwiesenermaßen das Risiko für Hautkrebs und Hautschäden. Natürlichere Strategien wie mineralische Filter und mechanische Schutzmaßnahmen sind gut beforscht und gelten als sicherer Ansatz. HSM biolab ist auf die Entwicklung und Lohnherstellung effektiver und zugleich unbedenklicher Sonnenschutzpräparaten, von der Sonnenmilch, über Sonnensprays bis zu Sonnencremes.

Quellenangaben

  1. IARC Monographs on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans – Solar and Ultraviolet Radiation.

  2. Santander Ballestín & Luesma Bartolomé, Toxicity of Different Chemical Components in Sun Cream Filters and Their Impact on Human Health: A Review, Appl. Sci. (2023).

  3. Kritische Review zu ZnO‑Sonnenschutz in Applied Radiation and Isotopes (2025).

  4. Umweltbundesamt Bericht zu MnHexP‑Funden in Urinproben von Kindern (2026).

  5. LANUV‑/BfR‑Untersuchungen zu Phthalaten in Sonnenschutzmitteln.

  6. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Stellungnahme zu Phthalatresten in Sonnenschutz.

  7. Diverse dermatologische Publikationen zu UV‑Schutz und Ernährung (z. B. Antioxidantien). (siehe u.a. Nutrition & Dermato‑oncology Reviews)

  8. Wissenschaftlicher Konsens: UV‑Schutz reduziert Hautkrebsrisiko. (WHO/dermatologische Leitlinien)

Enzyme in der Kosmetik: Biomimetische High-Tech-Wirkstoffe für eine sanfte Hauterneuerung

Enzyme gehören zu den präzisesten Werkzeugen der Natur. Als biologische Katalysatoren beschleunigen sie chemische Reaktionen hochspezifisch – ohne selbst verbraucht zu werden. In der modernen Hautpflege stehen Enzyme deshalb für eine neue Generation biomimetischer Wirkstoffe: Sie greifen gezielt in natürliche Hautprozesse ein, statt sie aggressiv zu übersteuern.

Gerade im Bereich enzymatisches Peeling, sanfte Exfoliation und hautbarriereschonende Pflege gewinnen sie zunehmend an Bedeutung.

1) Was sind Enzyme

Enzyme sind meist globuläre Proteine mit hochspezifischer 3D-Struktur. Ihre Aktivität basiert auf dem Schlüssel-Schloss-Prinzip:

Ein Enzym bindet selektiv an ein bestimmtes Substrat (z. B. ein Strukturprotein oder ein Lipid) und katalysiert dessen Umwandlung.

In der Hautpflege bedeutet das:

  • keine unspezifische „Abtragung“

  • kein mechanischer Stress

  • keine breitflächige Säureeinwirkung

  • sondern gezielte Modulation biochemischer Prozesse

Diese Spezifität unterscheidet Enzyme grundlegend von mechanischen Peelings oder hochkonzentrierten chemischen Exfolianten.

2) Die 3 zentralen Wirkmechanismen enzymatischer Hautpflege

  • Biologische Exfoliation – kontrollierte Desquamation

Die oberste Hautschicht (Stratum corneum) besteht aus abgestorbenen Korneozyten, die durch Desmosomen miteinander verbunden sind.

Proteolytische Enzyme wie:

  • Papain (aus Carica papaya)

  • Bromelain (aus Ananas comosus)

können gezielt Proteinverbindungen an der Oberfläche lösen.

Dadurch wird die natürliche Abschilferung (Desquamation) unterstützt – ohne mechanisches Reiben oder stark saure pH-Werte.

Wissenschaftlicher Hintergrund

  • Lods et al. (2000) beschreiben das Potenzial proteolytischer Enzyme als milde Exfolianten im International Journal of Cosmetic Science.

  • Trevisol et al. (2022) zeigen in einer Übersicht im Journal of Cosmetic Dermatology, dass Enzympeelings besonders für empfindliche Haut geeignet sein können, da sie die Hautbarriere weniger beeinträchtigen als klassische Alpha-Hydroxysäuren (AHAs).

Im Vergleich zu AHA-Peelings wirken Enzyme primär oberflächlich und pH-unabhängiger.

  • Sebum-Modulation und Porenbild

Bestimmte Enzyme – insbesondere Lipasen – können Lipide hydrolysieren.

In kosmetischen Formulierungen werden enzymatische Komplexe eingesetzt, um:

  • überschüssigen Talg an der Oberfläche zu reduzieren

  • Verhornungsstörungen zu minimieren

  • das Hautbild optisch zu verfeinern

Die wissenschaftliche Literatur betont hier vor allem den synergistischen Ansatz: Enzyme in Kombination mit milden Säuren oder Barrierestärkern zeigen bessere Verträglichkeit als aggressive Monotherapien.

Wichtig: Kosmetische Produkte dürfen keine „Sebumproduktion regulieren“ im medizinischen Sinne beanspruchen, sondern unterstützen lediglich ein ausgeglichenes Hautbild.

  • Antioxidativer Schutz durch enzymatische Systeme

Ein weiterer spannender Bereich sind antioxidative Enzyme wie:

  • Superoxid-Dismutase (SOD)

  • Katalase

  • Glutathion-Peroxidase

Diese Enzyme neutralisieren reaktive Sauerstoffspezies (ROS), die durch:

  • UV-Strahlung

  • Umweltverschmutzung

  • oxidativen Stress

entstehen.

Eine Übersichtsarbeit von Kuo et al. (2024, MDPI Catalysts) beschreibt das wachsende Potenzial enzymatischer Antioxidantien in biomedizinischen und kosmetischen Anwendungen.

Herausforderung bleibt hier vor allem die Stabilität in topischen Formulierungen.

3) Formulierungs-Herausforderung: Stabilität & Aktivität

Enzyme sind empfindlich gegenüber:

  • Temperatur

  • pH-Wert

  • Oxidation

  • Wasseraktivität

Bereits Mojsov (2011) betonte die industrielle Schwierigkeit, mikrobiell gewonnene Enzyme stabil in Emulsionen einzubetten.

Moderne Lösungsansätze:

  • Mikroverkapselung

  • Liposomale Systeme

  • wasserfreie Pulverformulierungen

  • Zwei-Phasen-Systeme (Aktivierung erst bei Anwendung)

Diese Technologien sichern die Enzymaktivität bis zum Hautkontakt. HSM biolab findet als Technologiespezialist in der Entwicklung und Lohnherstellung enzymbasierter Kosmetik die passende Lösung für die konkrete Anwendung.

4) Vorteile enzymbasierter Hautpflege

  • Sehr sanfte Exfoliation

  • Geeignet für empfindliche, reaktive Hauttypen

  • Kein mechanischer Abrieb

  • Oft nachhaltige, pflanzliche oder mikrobielle Herkunft

  • Biomimetischer Ansatz

Gerade bei sensibler Haut, Rosazea-Neigung oder unreiner Haut werden enzymatische Peelings häufig als schonendere Alternative zu intensiven Säurebehandlungen gewählt.

Enzyme stehen exemplarisch für einen Paradigmenwechsel:

Nicht forcieren – sondern imitieren.

Statt Hautprozesse durch starke chemische Impulse zu beschleunigen, unterstützt biomimetische Kosmetik natürliche Mechanismen wie:

  • kontrollierte Desquamation

  • antioxidative Schutzsysteme

  • physiologische Hauterneuerung

Die aktuelle Forschung konzentriert sich auf:

  • Enzym-Engineering

  • verbesserte Stabilisierung

  • kombinierte Wirkstoffsysteme

Enzyme sind daher kein Trend, sondern Teil einer langfristigen Entwicklung hin zu intelligenter, hautphysiologisch orientierter Pflege.

Quellen:

  • Lods, L. M., et al. (2000). The future of enzymes in cosmetics. International Journal of Cosmetic Science.

  • Mojsov, K. (2011). Microbial enzymes in cosmetics – industrial overview.

  • Trevisol, T. C., et al. (2022). Use of proteolytic enzymes as exfoliating agents. Journal of Cosmetic Dermatology.

  • Kuo, C. H., et al. (2024). Enzymes in Biomedical, Cosmetic and Food Applications. Catalysts (MDPI).